Miriam Katz
bunt - strahlend - selsbtbewusst

Einsam oder alleine?

Letztes Wochenende habe ich gemeinsam mit einem Freund einen wunderschönen Spaziergang entlang der Isar durch die verschneite Natur gemacht. Bei traumhaftem Sonnenschein kam die Schönheit der Natur im Schnee noch einmal mehr zur Geltung.

Mitten im Nirgendwo stand dann plötzlich dieser Schneemann da. Weit und breit niemand. Keine Menschen, keine Häuser. Nur dieser Schneemann.

Und obwohl dieser Schneemann allein dasteht, hat er ein breites Lächeln im Gesicht. 

Oder vielleicht, gerade WEIL er alleine ist?!

Der Vorteil des Alleine seins ist, dass man keine Kompromisse leben muss. Wenn ich noch etwas fertig machen will, dann kann ich das machen. Ohne das sich jemandem Bescheid sagen muss oder ein schlechtes Gewissen habe. Wenn ich etwas unternehmen will, dann mache ich das. Und zwar ganz genau das, auf das ich Lust habe. Wenn ich alleine sein will, habe ich meine Ruhe. Wenn ich Gesellschaft haben will, treffe ich mich mit Freunden und habe Spaß mit ihnen. 

Da ich nur mir alleine Rechenschaft schulde, kann ich mein Leben in vollen Zügen genießen. Und nur weil ich alleine bin, bin ich nicht einsam. Ich habe Freunde, auf die ich jederzeit zählen kann. Danke Sozialer Medien ist es heute einfach, in Kontakt zu sein mit anderen Menschen. Aber eben nur dann, wenn ich es will. 

Und mir ist noch etwas bei diesem Schneemann aufgefallen. Er hat vier Arme!

Auch das ist etwas, was mir bei vielen Singles auffällt – sie scheinen mehr Arme zu haben. Sprich sie scheinen mehr auf die Reihe zu bekommen. Warum? Weil sie wissen, dass sie alleine dafür verantwortlich sind. Als Single kann ich mich nicht zurücklehnen und darauf vertrauen, dass mein Partner sich darum kümmert. Ich alleine bin dafür verantwortlich, dass ich Geld verdiene, dass ich den Haushalt auf die Reihe bekomme. ich muss mich um meine Finanzen kümmern, das Auto, Versicherungen. Zwischenzeitlich habe ich mir in so vielen Bereichen zumindest Grundkenntnisse angeeignet. Fast mühelos scheine ich mehrere Bälle gleichzeitig in der Luft jonglieren zu können.

War der Weg einfach? Definitiv nicht. Ist es manchmal anstrengend? Oh ja!

Aber der Vorteil ist, dass ich dadurch weiß, dass ich alleine dafür verantwortlich bin, dass mein Leben läuft. Und ich kann bestimmen, in welche Richtung es läuft. Ich muss nicht darauf warten, bis mein Partner irgendwann mal Lust hat, die Winterreifen am Auto aufzuziehen, sondern ich mache es einfach selbst. Oder kleinere Reparaturen am Haus. Wie oft höre ich Freunde, die in Beziehungen sind, darüber jammern, dass XY immer noch nicht erledigt ist. Anfangs habe ich oft etwas naiv nachgefragt, warum er oder sie es dann nicht selbst macht und Blicke die von verwundert bis entsetzt reichen als Antwort bekommen. Heute frage ich nicht mehr, denke mir nur meinen Teil. 

Selbst wenn ich irgendwann doch in einer Beziehung landen sollte, so habe ich durch mein Singleleben mir etwas erschaffen, was mir niemand mehr nehmen kann. Den höchstmöglichen Grad an Unabhängigkeit zu erreichen. Ok, aktuell gibt es da noch Luft nach oben, aber ich lerne auch jeden Tag noch etwas dazu. Ich werde nie an den Punkt kommen, dass ich abhängig bin von jemandem. Und wenn ich mal etwas nicht weiß, so habe ich ein Netzwerk aus Freunden und Bekannten, die Wissen in den unterschiedlichsten Bereichen haben und die mir dann mit Rat und Tat zur Seite stehen, damit ich noch einen Ball mehr, noch einen Arm mehr bekomme.

Ich persönlich liebe diese Unabhängigkeit. Ich liebe es, mit all den Bällen zu jonglieren und zu wissen, dass ich ganz alleine dafür verantwortlich bin, dass sie zu dem Meisterwerk werden, das ich mein Leben nenne. Ja, manchmal fällt auch einer runter – oder mehrere. Aber dann hebe ich sie eben wieder auf und beginne von Neuem. Meine Arme verliere ich nicht, auch wenn ich mal einen schlechten Tag habe. 

Manchmal bekomme ich tatsächlich die Frage, wie ich das alles hinbekomme. Ob mein Tag mehr Stunden hat. Nein, hat er nicht. Aber ich habe einen klaren Fokus, habe meine Bälle im Blick und auch wenn ich keine vier Arme habe sondern nur zwei, so komme ich mir manchmal doch vor wie dieser strahlende Schneemann mit seinen vier Armen.

Teile den Beitrag

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on email

2 thoughts on “Einsam oder alleine?”

  1. super gute Gedanke – vielen Dank – … diese Lernaufgabe hat man auch in jeder Ehe … da heiratet man, gibt vieles aus der Hand, anfangs werden die Aufgaben noch erfüllt doch im Laufe der Jahre reißt ein Schlendrian ein, da verlässt sich der eine auf den anderen – wird er/sie schon machen … auch wenn eine klare Aufgabentrennung da ist, gibt es immer wieder Situationen, wo man denkt: Warum macht er/sie das nicht, sieht er denn nicht dass … Im Laufe der Jahre habe ich, wie du, gelernt, dass man für sich selbst Verantwortung übernehmen muss und seine Selbständigkeit nicht aufgeben darf, wenn man glücklich und zufrieden sein möchte …
    mb

  2. Mein erste Gedanke war tatsächlich, dass sein Herz aus Stein ist. Alleinsein ist grundsätzlich kein Problem, nur wenn sich das dann zu Einsamkeit entwickelt ist das blöd (und ja man kann auch in einer Beziehung einsam sein). Natürlich hast du recht, dass Selbstständigkeit und Eigenverantwortung wichtig ist, dennoch ist es nicht verkehrt, wenn hin und wieder jemand da ist mit dem man seine Erfolge teilen oder auf den man sich verlassen kann. Ich hätte noch einen zweiten Schneemann oder eine Schneefrau daneben gesetzt, denn wer sagt denn, dass das Lächeln nicht nur aufgesetzt ist und die vier nach Außen gestreckten Arme kein Hilferuf sind?

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.